{"id":2602,"date":"2018-02-22T08:56:04","date_gmt":"2018-02-22T08:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/nordwind.info\/?page_id=2602"},"modified":"2025-02-14T04:40:02","modified_gmt":"2025-02-14T04:40:02","slug":"eilvese-grossfunkstelle","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/nordwind.info\/?page_id=2602","title":{"rendered":"Eilvese, Gro\u00dffunkstelle"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Marconi war es gelungen, 1899 den \u00c4rmelkanal und 1901 den Atlantik drahtlos zu \u00fcberqueren. 1902 wurde das erste Funktelegramm mit einem zusammenh\u00e4ngenden Text von Cornwall \u00fcber den Atlantik gesendet. Auf Dr\u00e4ngen des Kaisers, Wilhelm II., kam es zur Gr\u00fcndung der \u201eGesellschaft f\u00fcr drahtlose Telegraphie mbH\u201c in Berlin. Die Stammfirmen AEG und Siemens &amp; Halske wurden mit der Schutzbezeichnung \u201eTelefunken\u201c weltweit bekannt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Marconi-Gesellschaft errang eine monopolartige Stellung. Die Funker der Marconi-Gesellschaft hatten die Anweisung, nur mit Stationen, die von der Gesellschaft ausger\u00fcstet waren, in Funkkontakt zu treten. Ein eklatantes Beispiel stellt die Weigerung der Weitergabe eines Funktelegramms des Kaisers durch den Funker der Marconi-Station auf Borkum dar. Kaiser Wilhelm II. befand sich im Jahre 1905 mit dem Dampfer \u201eHamburg\u201c auf einer Reise ins Mittelmeer und wollte vor Verlassen der deutschen Gew\u00e4sser ein Funktelegramm an die auf Sizilien wartende Kaiserin senden. Der Funker der Marconi-Gesellschaft auf Borkum verweigerte die Weitergabe, da die \u201eHamburg\u201c nicht mit der ausgestatteten Marconi-Funkanlage, sondern mit der zus\u00e4tzlichen f\u00fcr die Kaiser-Reise installierten eigenen Anlage. Der Kaiser verf\u00fcgte sofort die Schlie\u00dfung der Station Borkum und die Errichtung der K\u00fcstenstation-Funkstelle durch die Deutsche Reichspost in Norddeich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kampf gegen das Monopol der Marconi-Gesellschaft begann 1908 als Telefunken zehn deutsche Passagierdampfer mit Funktelegrafen ausr\u00fcstete. Man bediente sich auch in Deutschland einer gro\u00dfen Station. Die \u00dcberlegungen waren eine Gro\u00dfstation, etwa 150 km von der K\u00fcste entfernt, um die K\u00fcstenstation Norddeich nicht zu st\u00f6ren, zu errichten.\u00a0Ferner sollte sie auf einem Boden stehen mit hochreichendem Grundwasser zur Erdung. Beide Forderungen erf\u00fcllte der 35 km nordwestlich von Berlin gelegene Ort Nauen im havell\u00e4ndischen Luch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20.06.1914 wurde eine weitere Gro\u00dffunkstelle des Deutschen Reiches er\u00f6ffnet. Die Er\u00f6ffnung dieser Funkstation fand mit einem Telegramm von Kaiser Wilhelm II. an den amerikanischen Pr\u00e4sidenten Wilson statt. Der Kaiser war pers\u00f6nlich in Eilvese anwesend. Die tats\u00e4chliche Er\u00f6ffnung der Funkstation in Eilvese war am 14.10.1913, bevor Nauen 4 Tage sp\u00e4ter auf Sendung ging. Der Funkenturm in Eilvese war mit 258 m das derzeit das h\u00f6chste Bauwerk in Deutschland.<\/p>\r\n\r\n<p><strong>Lage<\/strong><\/p>\r\n<div id=\"mapp0_layout\" class=\"mapp-layout\" style=\"width: 640px; \"><div id=\"mapp0_links\" class=\"mapp-map-links\"><\/div><div id=\"mapp0_dialog\" class=\"mapp-dialog\"><\/div><div id=\"mapp0\" class=\"mapp-canvas\" style=\"width: 100%; height: 480px; \"><\/div><div id=\"mapp0_directions\" class=\"mapp-directions\" style=\"width:100%\"><\/div><div id=\"mapp0_poi_list\" class=\"mapp-poi-list\" style=\"width:100%\"><\/div><\/div>\r\n<p>Kartenauszug Google Maps<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im sogenannten \u201eToten Moor\u201c in der N\u00e4he der Ortschaft Eilvese (jetzt ein Ortsteil von Neustadt a.Rbge. 25 km nordwestlich von Hannover gelegen) fand man den geeigneten Ort f\u00fcr eine weitere Gro\u00dffunkstelle. Der Hauptmast hatte eine H\u00f6he von 258 m und ein Gewicht von 40.000 kg. Er war aus Teilen zusammengesetzt, einem unteren von ca. 150 m H\u00f6he und einem oberen von ca. 100 m H\u00f6he.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-\u00dcberseesender.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2612\" src=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-\u00dcberseesender-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-\u00dcberseesender-188x300.jpg 188w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-\u00dcberseesender.jpg 606w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Dieser Funkenturm ruhte auf einer Halbkugel in einer Schale. Die Gleichgewichtslage des Mastes wurde durch je drei Pardunen gesichert, die in 175 m Entfernung von ihm verankert waren. Wie in Nauen, so hatte man auch hier f\u00fcr die Pardunen keine gewundenen, zusammengedrehten Stahlseile, sondern Seile aus parallelgerichteten Dr\u00e4hten verwendet, da diese unter der Wirkung der Kr\u00e4fte keine bleibenden Dehnungen mehr annahmen. Rund um den Hauptmast herum waren in einem Umkreis von 460 m sechs\u00a0weitere Masten, sogenannte \u201eRendahlmasten\u201c von je 122 m H\u00f6he aufgestellt, die wie der Hauptmast auf Spitzen ruhten und ebenso wie er durch Pardunen abgespannt waren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sieben Masten trugen die beiden Antennen, von denen die eine als Schirmantenne ausgebildet war, w\u00e4hrend die andere in Form einer Ringantenne um die Schirmantenne herumlief. Die Antennen hingen an Stahlseilen, die auf Rollen \u00fcber die Spitze des Hauptmastes hinweg liefen. Ebenso liefen die \u00fcber die Rendahlmasten hinweg f\u00fchrenden Seile auf Rollen. Um dem Antennengebilde die M\u00f6glichkeit zu geben, sich von den Schwankungen der Temperatur anzupassen, war es von sechs je 1.500 kg schweren Gewichten gespannt.<\/p>\r\n<p><a href=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2611\" src=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01-1024x650.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01-1024x650.jpg 1024w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01-300x190.jpg 300w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01-768x487.jpg 768w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-01.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Telegramm vom Kaiser Wilhelm II. an den Pr\u00e4sidenten der USA, Woodrow Wilson, wurde von der Gegenstation zu Eilvse in Tuckerton (New Jersey) empfangen. Die Anlage in Tuckerton entsprach genau der in Eilvese und wurde von der deutsche Hochfrequenzmaschinen AG errichtet. Alle Teile des Mastes wurden von Deutschland per Schiff nach Amerika gebracht. In Eilvese wie auch in Tuckerton kamen Hochfrequenzmaschinen von Prof. Goldschmidt zum Einsatz. Tuckerton erhielt das Rufzeichen WGG und Eilvese die Buchstaben OUI.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Tasten und Steuern der Gro\u00dffunkstellen geschah nicht in Eilvese oder Nauen, sondern in Berlin in den R\u00e4umen von Transradio (gegr. 1918) Und es fand noch eine weitere Trennung statt: Die Teilung in Sende- und Empfangsanlagen. Die Gro\u00dffunkstelle Eilvese hatte ihre Empfangsstation in Hagen (heute auch ein Ortsteil von Neustadt a.Rbge.) Der Grund f\u00fcr die Trennung der Anlagen war wirtschaftlich bedingt. W\u00e4hrend man empfing, konnte die Sendeeinrichtung nicht benutzt werden. Mit der Trennung der Anlagen, wo also die Empfangsanlagen ihre eigenen Antennen besa\u00dfen, war Duplex- oder Gegensprechen m\u00f6glich.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2610\" src=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02-300x225.jpg 300w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02-768x576.jpg 768w, http:\/\/nordwind.info\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Eilvese-02.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drahtlose Telegrafie war 1923 auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Geschichte. Die Gro\u00dffunkstelle wurde im Laufe der Jahre mehrmals umgebaut. Die Anlage entsprach nicht mehr der Technik und wurde daher im Jahre 1931 abgebaut. Heute sind nur noch Grundmauern, einige Mauerreste und ein ehemaliges Verwaltungsgeb\u00e4ude, als Wohnhaus umgebaut, vorhanden.<\/p>\r\n<p>Fotos: Gerhard Kulawenski, Postkarte: Sammlung G. Kulawenski<\/p>\r\n<p>Fundstellen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00dcberseesender_Eilvese\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marconi war es gelungen, 1899 den \u00c4rmelkanal und 1901 den Atlantik drahtlos zu \u00fcberqueren. 1902 wurde das erste Funktelegramm mit einem zusammenh\u00e4ngenden Text von Cornwall \u00fcber den Atlantik gesendet. 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